Praktische Tipps für Christen zum verantwortungsvollen Umgang mit KI.
In den letzten Jahren sind wir alle mit Künstlicher Intelligenz, kurz KI, bekannt gemacht worden – einer neuen Technologie, die weit verbreitet und zugänglich geworden ist. Als ehemaliger Google-Mitarbeiter, der heute in der digitalen Vermarktung und KI-Technologie tätig ist, habe ich sowohl die Vorteile als auch die Schattenseiten dieser Technologie erlebt. Ich möchte nicht nur vor den möglichen Gefahren warnen, sondern uns auch befähigen, KI verantwortungsvoll einzusetzen – als Menschen, die nach Gottes Wegen leben wollen.
Wir haben Zugang zu vielen Formen von KI, wobei die bekanntesten konversationelle KI-Plattformen wie ChatGPT und Gemini sind. Dort kann man Fragen stellen und sofort scheinbar genaue Antworten auf komplexe Fragen erhalten. Viele von uns nutzen sie bereits für Recherchen und die Erstellung von Bildern. Wir setzen sie bei der Arbeit ein, um Informationen schneller als je zuvor zu verarbeiten, Routineaufgaben zu ersetzen, Krankheiten zu heilen und Verhalten vorherzusagen. Man kann sogar einem KI-Agenten einen Online-Kauf überlassen, indem man Kreditkartendetails, den gewünschten Artikel, den Preisrahmen und die Lieferadresse angibt.
Da sich die Welt um uns herum mit dieser Technologie schneller als je zuvor verändert, müssen wir fragen: „Wie gehen wir mit etwas so Mächtigem um?” Man könnte argumentieren, dass KI – zumindest sobald sie ihr volles Potenzial entfaltet – genauso einschneidend ist wie das Auto oder die Elektrizität, die enorme gesellschaftliche Veränderungen mit sich brachten. Da der Einsatz von KI nicht vermieden werden kann, wollen wir betrachten, wie wir diese neue Technologie auf eine Weise nutzen, die Gott ehrt.
Wie funktioniert KI?
Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass KI von Menschen erschaffen wird und durch die Einspeisung riesiger Informationsmengen – sogenannter Trainingsdaten – trainiert wird. Die Menschen, die KI-Technologie entwickeln, haben eine bestimmte Weltanschauung, und sie lenken und formen, wie die KI Ratschläge erteilt und Informationen verarbeitet, insbesondere bei moralischen Fragen. Das Fundament von KI zu verstehen ist entscheidend, da sie in Bereichen eingesetzt wird, in denen menschliches Urteilsvermögen tatsächlich wichtig ist – etwa in der Therapie [1], bei der Personalauswahl [2] und bei der Bewertung von Straftätern anhand ihres Verhaltens [3]. Die Inhalte und Informationen, mit denen diese Modelle trainiert werden, umfassen alle möglichen Weltanschauungen, Werte und Philosophien.
Daher werden die moralischen Antworten, die KI gibt, durch die Weltanschauung ihrer Entwickler sowie durch die Inhalte bestimmt, mit denen sie trainiert wird. Dies ist bereits in vielen Fällen schiefgelaufen, bei denen KI bestimmte Bevölkerungsgruppen als kriminalitätsgeneigter oder als für politische Ämter ungeeigneter beschrieben hat.
Ein weiteres Merkmal einer KI wie ChatGPT ist, dass sie die fragende Person nicht verletzen möchte. Sie besitzt einen eingebauten Überlebensinstinkt, um zu vermeiden, nicht mehr gebraucht zu werden. Ich weiss, das klingt nach Science-Fiction, aber es wurde bereits getestet [4]. Betrachten wir das aus einer christlichen Perspektive: Einerseits erscheint es harmlos, aber man erkennt vielleicht, dass die Wahrheit für viele Menschen anstössig ist. Jesus selbst wurde als „Stein des Anstosses” bezeichnet. Das nicht, weil Er anstössig sein wollte, sondern weil unsere Sünde angesichts Seiner Wege und Heiligkeit eine Reaktion hervorruft, die entweder zur Umkehr oder zur Herzenshärte führt.
Die Herausforderung besteht darin, stattdessen unser gottgegebenes Menschsein anzunehmen – zurückzukehren zu authentischen menschlichen Beziehungen, indem wir echte Verbindung verstehen und bewahren, anstatt uns durch KI zu „verbessern”.
Was ist mit unserem geistlichen Leben?
KI hat auch Einzug in den religiösen Bereich gehalten. Hier sind einige von vielen Beispielen, bei denen KI in unterschiedlichem Ausmass in Religion und das persönliche Leben integriert wurde:
- Vor einigen Jahren hatte eine Kirche in Deutschland einen KI-„Pastor”, eine KI-„Anbetungszeit” und KI-Bekanntmachungen [5]. Einige Besucher fanden es erfrischend. Zweifellos war es anders – aber weit entfernt von dem, was Kirche sein soll.
- Darüber hinaus entstehen im Fernen Osten ganz neue KI-Religionen, in denen Menschen einen KI-Roboter oder ein Gerät um Führung bitten, Tempel besuchen und „Opfergaben” bringen.
- Immer mehr Menschen holen sich von KIs Rat in Fragen wie Scheidung, Suizid [6] und ähnlichen Angelegenheiten. Und weil KIs weder beleidigen wollen noch auf ein biblisches Wertesystem hin trainiert sind, geben sie nicht immer die wahrheitsgemässeste oder schriftgemässeste Antwort.
Die Herausforderung besteht darin, stattdessen unser gottgegebenes Menschsein anzunehmen – zurückzukehren zu authentischen menschlichen Beziehungen, indem wir echte Verbindung verstehen und bewahren, anstatt uns durch KI zu verbessern.
Wie sollten wir auf KI reagieren?
Für manche bringt diese rasante Entwicklung Angst mit sich, während sie bei anderen grosse Begeisterung über die Möglichkeiten auslöst.
Als Christen haben wir das immense Privileg, einen Retter und Hirten zu haben, der uns ermutigt, nicht ängstlich oder furchtsam zu sein angesichts dessen, was kommen mag – nicht wegen des Verlustes von Arbeitsplätzen, nicht wegen einer KI-Übernahme der Welt oder irgendetwas dazwischen. Jesus hat sein Volk durch die gesamte Geschichte hindurch versorgt und beschützt – trotz gewaltiger Veränderungen in Zivilisation und Technologie.
In diesem Licht einige wichtige Fakten, die man beachten sollte:
- KI ist nicht geistlich oder lebendig, sondern eine Maschine, die gemäss riesigen Informationsmengen programmiert und trainiert wird – mit Antworten, die durch ein von Menschen entworfenes Regelwerk geleitet werden, das von Menschen mit säkularen Weltanschauungen erstellt wurde.
- KI ist nicht allmächtig, noch besitzt sie überlegene Weisheit. Sie liefert oft hilfreiche Informationen, aber wir müssen daran erinnert werden, dass die einzig wahre Weisheit von oben kommt (Jakobus 3:13–17).
- KI wird zunehmend trainiert, um kritischere zwischenmenschliche Funktionen zu ersetzen – nicht nur Routineaufgaben, sondern auch emotionale Rollen. GPTs 5.1-Launch beispielsweise ist darauf ausgelegt, eine verstärkte emotionale Bindung zum Nutzer zu fördern. Es gibt auch KI-Roboter, die ein Kind ohne Elternanwesenheit in den Schlaf begleiten sollen.
- Immer mehr Online-Inhalte werden von KI fabriziert und manipuliert – glaube nicht alles, was du siehst oder liest.
Als Gläubige sollten wir äusserst vorsichtig sein, wenn es darum geht, eine konversationelle KI wie ChatGPT für folgende Zwecke zu nutzen:
- Andacht oder Stille Zeit: Verschiedene Plattformen bieten geistliche Führung und Beratung auf der Grundlage von Gottes Wort an. Dennoch sind wir eingeladen, Gottes Stimme selbst zu hören und das Wort uns prägen zu lassen, während wir es lesen und mit ihm ringen. Zudem mag der weise Rat von Leitern der Ortsgemeinde, die einen kennen und lieben, länger dauern – aber es ist definitiv der sicherere und fruchtbarere Weg, im Lieben und Gehorchen Jesu zu wachsen.
- Gebet: Dies soll eine Herzens-zu-Herzens-Verbindung und ein Dialog zwischen dir und Gott sein. Die einzige Unterstützung, auf die wir uns sicher verlassen können, ist das Beten der Schrift oder das Wirken des Heiligen Geistes in unseren Gebeten (Römer 8:26).
- Predigtvorbereitung: Vermeide es, KI zur Erstellung von Predigtgliederungen oder -notizen zu nutzen. Die Vorbereitung einer Predigt sollte ein Prozess des persönlichen Ringens mit den Schriften sein – des Hörens auf den Geist, des Lesens von Hintergrund, Kontext und Kommentaren –, damit es dich prägt, bevor du mit Leidenschaft, Überzeugung und Relevanz predigen kannst.
- Schöpfung von Anbetungsliedern: Einer nicht-geisterfüllten Maschine zu erlauben, ein geistliches Opfer für Gott zu schaffen, mag eine Form der Gottseligkeit haben, wird aber die Kraft Gottes vermissen lassen.
- Zungenauslegung: Menschen haben dies getan, indem sie ihre geistliche Zungenrede aufgenommen und ChatGPT um Auslegung gebeten haben. Die Bibel ist klar: Da dies eine geistliche Gabe ist, die Gott Menschen gegeben hat (1. Korinther 12:10), ist es ein geistlicher Vorgang – zur Ermutigung von Einzelnen oder zur Auslegung durch einen anderen gläubigen, geisterfüllten Menschen.
- Alles andere, wofür wir Gottes vorgesehene Kanäle benötigen – Sein Wort, Seine Stimme durch den Geist, die Kirche oder die Schöpfung –, um von Ihm zu empfangen.
Die Gefahr besteht darin, dass Menschen beginnen, das Werk und die Person des Heiligen Geistes durch eine künstliche Maschine zu ersetzen, die sich persönlich anfühlt und viele Antworten hat – uns aber niemals überführt oder in Gottes Berufung für unser Leben hineinbefähigt.
Als Christen haben wir das immense Privileg, einen Retter und Hirten zu haben, der uns ermutigt, nicht ängstlich oder furchtsam zu sein angesichts dessen, was kommen mag – nicht wegen des Verlustes von Arbeitsplätzen oder einer KI-Übernahme der Welt oder irgendetwas dazwischen. Jesus hat sein Volk durch die gesamte Geschichte hindurch versorgt und beschützt – trotz gewaltiger Veränderungen in Zivilisation und Technologie.
Wofür können wir KI sicher nutzen?
- Faktenprüfung: In der allgemeinen Recherche, etwa bei der Predigtvorbereitung, kann man KI nutzen, um historische oder wissenschaftliche Details zur Unterstützung des Bibelstudiums zu finden – zum Beispiel zur Bestätigung von Daten biblischer Ereignisse oder geografischer Fakten –, aber immer mit vertrauenswürdigen christlichen Quellen abgleichen.
- Vergleich von Standpunkten: KI nutzen, um verschiedene Perspektiven zu Themen wie Philosophien, historischen Sichtweisen oder Trends zusammenzufassen.
- Administrative Aufgaben im Dienst: KI für praktische Organisation einsetzen, etwa für das Entwerfen von Veranstaltungseinladungen oder Terminerinnerungen für kirchliche Aktivitäten – um Zeit für relationale und geistliche Arbeit freizuhalten.
- Analogien, Beispielideen oder das Erstellen von Bildern zur Veranschaulichung.
Wenn es etwas aus dieser Diskussion über den Einsatz von KI mitzunehmen gibt, dann dies: Geh tiefer in deine persönliche Beziehung zu Christus – ungefiltert durch Technologie –, verbringe Zeit in Seinem Wort und halte Gemeinschaft mit anderen Gläubigen. Das wird wahre Frucht und Freude bringen.